Karotti und die Viren

Wahrscheinlich hast Du noch nie ein Oktopaka gesehen. Das heißt aber nicht, dass es Sie nicht gibt – nur ganz wenige von uns haben sie gesehen, genau wie auch andere seltene Tiere, wie Einhörner. Und auch einen Dino oder einen Brokkolihirsch oder einen Gurkenvogel hat noch keiner gesehen – und die gibt es ja auch noch irgendwo. Vielleicht…

Oktopakas gibt es schon sehr lange. Sie sind flauschige, liebe und ein bisschen tollpatschige Tiere. Und sie sehen reichlich komisch aus. Aber vielleicht denken die Oktopakas das auch von uns. Oktopakas sind eine Mischung aus Alpakas, den weichsten und kuschligsten Tieren der Welt, und einem Oktopus, den Tieren mit den meisten Armen der Welt. Oktopus ist ein anderes Wort für Tintenfisch, aber weil Alpakafisch oder Tintaka komisch klingt, nennen sie sich Oktopaka. Eigentlich ja auch logisch. Und ein bisschen was von einem Einhorn haben einige Oktopakas auch – nämlich das Horn. Falls Ihr Euch fragt warum – das erfahrt ihr später.

Oktopakas leben im Meer. Allerdings nicht ganz tief im Meer, denn da ist es zu dunkel. Und Oktopakas haben Angst im Dunklen. Und außerdem sind sie ja keine richtigen Fische und können deswegen auch nicht so gut schwimmen. Oktopakas leben auf Steinen oder an Klippen, denn da können sie sich am besten mit ihren Oktopusarmen festhalten. Wenn man am Meer ist und ganz genau hinschaut, sieht man manchmal ein Horn aus dem Meer schauen. Viele denken dann, das ist ein Taucher – aber Ihr wisst es jetzt ja besser, es kann auch ein Oktopaka sein. Dann seid bitte leise – Oktopakas mögen es nicht, wenn es zu laut ist.

Oktopakas kommen nur selten an Land. Das ist eigentlich klar, denn mit Oktopusarmen kann man sich an Land nur langsam bewegen. Und im Meer finden sie fast alles, was sie gern essen – Algen, Seegras und andere Pflanzen. Fisch essen sie natürlich nicht. Fische essen ja auch keine Oktopakas. Sogar Haie nicht, die haben Angst vor – richtig, dem Horn!

An Land kommt das Oktopaka nur manchmal, wenn es Kräuter für sein Lieblingsessen sammeln muss. Es braucht die Kräuter, weil die in den grünen Algen-Ketchup gehören. Und den grünen Algen-Ketchup tut das Oktopaka auf fast alles, was es isst. Auf Pommes und auf Eis. Für Dich klingt Vanilleeis mit grünem Algen-Ketchup vermutlich nicht so lecker. Aber Du bist ja auch kein Oktopaka.

Das mit dem Kräuter-Sammeln ist übrigens häufig für das Oktopaka ein kleines Problem, weil es sich nicht nur vor der Dunkelheit, sondern auch vor zu hellem Licht fürchtet. Ihr seht, das Oktopaka ist ein kleines bisschen trottelig. Aber vielleicht liegt das auch einfach daran, dass Oktopakas unglaublich gut sehen können. Besser als ein Uhu oder ein Luchs. Da stört helles Licht vielleicht. Auf jeden Fall kommt das Oktopaka daher meistens in der Nacht an Land. Und am besten, wenn kein Vollmond scheint. Und noch besser ist es, wenn es regnet. Dann fürchtet sich das Oktopaka eigentlich gar nicht. Am besten findet das Oktopaka, wenn es gewittert. Magst Du es auch, wenn es blitzt und donnert?

Bestimmt möchtest Du wissen, was das Oktopaka mit den Viren zu tun hat. Das ist eine komplizierte und spannende Geschichte...

Karotti, Coviddi und Coroni

Oktopakas gibt es übrigens in ganz vielen verschiedenen Farben. Karotti heißt zum Beispiel Karotti, weil sie so schön orange und grün ist. Vor kurzem musste Karotti ganz dringend Kräuter sammeln gehen. Und zwar tagsüber. Obwohl es das ja eigentlich bei Sonnenschein gar nicht gerne macht. Aber für den Abend hatten sich ein paar Freunde angekündigt, da wurde extra viel grüner Algen-Ketchup benötigt. Also tauchte das Oktopaka aus dem Meer auf und guckte vorsichtig in Richtung Strand. Schließlich wollte es keine Menschen erschrecken. Die meisten Menschen sind nämlich eher erschreckt, wenn sie ein flauschiges Wesen auf acht Tentakeln aus dem Meer steigen sehen. Aber diesmal schien keine Gefahr zu drohen. Obwohl die Sonne strahlte, war es ganz ruhig am Strand. Das war merkwürdig. Normalerweise tobten bei solchem Wetter und um diese Zeit viele Kinder in der Brandung. Dann tun Oktopakas immer so, als seien sie ein Strandspielzeug. Das können Oktopakas unglaublich prima. Du würdest den Unterschied zu einem Schwimmtier kaum erkennen.

Na ja, Karotti war nicht traurig, dass es sich verstellen musste. Also ging es an den Strand und sammelte seine Kräuter in den Dünen ein. Plötzlich hörte sie ein ganz leises Lachen. Immer wieder. Und so sehr sich das Oktopaka anstrengte, es konnte nicht erkennen, wo das Lachen herkam. Bis es auf einem Blatt seiner Kräuter zwei wirklich winzig kleine Gesellen entdeckte. „Hallo, ich bin Karotti und ein Oktopaka. Und wer seid Ihr?“, fragte es. „Wir sind Coviddi und Coroni.“, antworteten die Gesellen. „Und wir sind nicht alleine, da hinten müssten unsere eine Millionen Freunde sein.“ Eine Million! Das war viel… So viele Oktopakas gab es in allen Meeren der Welt nicht. „Was macht Ihr denn hier?“, fragte Karotti. „Und wisst Ihr, warum heute gar keine Kinder am Meer spielen?“ Da hörten Coviddi und Coroni sehr schnell auf zu lachen. Und erzählten eine Geschichte, die das Oktopaka kaum glauben konnte. Coviddi und Coroni sind Viren und wohnten eigentlich mit ihren Freunden irgendwo in einer Höhle ganz hoch oben in den Bergen. Und da waren sie auch glücklich, bis eines Tages ein paar Menschen auf einer Wanderung an der Höhle vorbeikamen. Die Viren sind unglaublich neugierige und verspielte Wesen und freuten sich über neue Spielgefährten. Also nutzten Sie den Wind, der immer aus der Höhle blies und flogen zu den Menschen hin. Die wollten aber gar nicht spielen und bemerkten die Viren nicht einmal. Aber wie sich herausstellte, machten Coviddi und Coroni die Menschen, ohne es zu wollen, sehr krank. Das ist ja häufig so. Du willst nur spielen und machst dabei etwas kaputt. Dann sind Mama und Papa sauer oder traurig, obwohl Du das gar nicht wolltest. So ähnlich ging das Coviddi und Coroni auch. Das Problem von den beiden war nur, dass sie und ihre Freunde nicht so einfach in ihre Höhle zurückkonnten. Zum Laufen waren sie zu klein. Und der Wind blies sie halt mal in die eine oder in die andere Richtung. Aber fast nie in die richtige. Und so mussten sie das Beste aus der Situation machen und hoffen, dass sie Spielgefährten fanden, die nicht von ihnen krank wurden.

Karotti taten die beiden Viren furchtbar leid. Mit jemandem spielen wollen und den dann krankmachen, klang gar nicht gut. Zumal Coviddi und Coroni wirklich lustig aussahen und super Witze erzählen konnten. Daher versprach es, heute Abend mit seinen Freunden zu beratschlagen, wie man den Viren und den Menschen helfen kann. Und es versprach auch, morgen wiederzukommen.

Das Oktopaka hat eine Idee

Beim Abendessen überlegten Karotti und seine Freunde lange, wie sie den Viren, aber auch den Menschen helfen können. Alle waren sie sich einig, dass die Menschen ein kleines bisschen trottelig sein müssen. Schließlich hält man zu etwas, was gefährlich sein kann, doch einfach Abstand und schon passiert nichts. Nachdem die Viren dem Oktopaka erzählt hatten, dass sie die Menschen sehr krank machen können, hat das Oktopaka auf jeden Fall sofort Abstand zu Coviddi und Coroni gehalten. Zwar ist das Oktopaka kein Mensch, aber sicher ist sicher. Und schließlich können auch Oktopakas mal einen Schnupfen bekommen. Und der Schnupfen brachte Karotti auf eine großartige Idee. Aus der Schule wusste das Oktopaka noch, dass man den Schnupfen bekommt, wenn man eine von den Schnupfen-Viren in den Hals oder die Nase bekommt. Und den Schnupfen-Viren konnte das Oktopaka nicht so einfach aus dem Weg gehen, da es die noch nie gesehen hatte. Vielleicht konnten die Menschen Coviddi, Coroni und ihren Freunden deshalb nicht aus dem Weg gehen, weil sie die nicht sehen konnten. Warum das so ist und warum das Oktopaka Coviddi und Coroni sehen konnte, konnte sich zwar keiner der Freunde so richtig erklären. Aber das Oktopaka war ja auch kein… Kein… Wie hießen noch mal die klugen Menschen, die Viren erforschten…? Richtig: Das Oktopaka war ja auch kein Virologe. Und dann dachte das Oktopaka weiter nach. Diese Virologen waren ja ständig von Viren umgeben, aber trotzdem wurden die nicht krank. Das musste ja irgendeinen Grund haben. Also guckten sich die Oktopakas viele Bilder von diesen klugen Frauen und Männern an. Und plötzlich fiel einem Oktopaka etwa auf. Häufig konnte man von den Virologen nur die Hälfte sehen, weil sie ein Stück Stoff vor dem Gesicht hatten. Dadurch konnte man Mund und Nase gar nicht sehen. Von anderen Bildern wussten die Oktopakas aber, dass auch Virologen Mund und Nase hatten. Also schlossen die Oktopakas gar nicht trottelig darauf, dass sich die Virologen mit dem Stück Stoff schützten vor den Viren, die sie nicht sehen konnten. Also schmiedeten die Oktopakas einen Plan: Sie nähten aus Bettlaken und Kopfkissenbezügen Masken, die sich die Menschen vor das Gesicht binden konnten.

Sogar Karottis kleine Schwester Blümchen half nach Kräften mit. Obwohl sie gerade erst 100 Jahr alt war (Oktopakas werden unglaublich alt)! Und so konnten Coviddi, Coroni und all‘ die anderen Viren daran gehindert werden, aus Versehen von den Menschen eingeatmet zu werden. Und als sich Karotti am nächsten Tag wie versprochen auf den Weg zum Strand machte, nahm es die Masken mit zu den Menschen.